Archive for the 'Erzählung' Category

[ Rezension ] Delphine de Vigan: No & ich

No & ich

Titel der Originalausgabe: No et Moi
Band innerhalb der Reihe: -
Genre: Romane
Übersetzung: Doris Heinemann
Verlag: Knaur (2010)
ISBN: 978-3-426-50158-0
Seiten: 250
Preis: [D] € 8,95

 

Klappentext:

Die Dinge sind, wie sie sind.
Wenn wir irgendwann nur noch diese Antwort parat haben – sind wir dann erwachsen? Lou ist hochbegabt und eine Einzelgängerin. Am liebsten beobachtet sie die Menschen und stellt dabei gewagte Theorien auf, um das zu verstehen, was tagtäglich mit und geschieht. Bis sie auf die achtzehnjährige No trifft, die in Paris auf der Straße lebt. No mit den dreckigen Klamotten und dem müden Gesicht. No, deren Einsamkeit die Welt in Frage stellt. Und Lou stürzt sich in ihr neues Projekt: Sie will No retten – und sich und der Welt beweisen, dass sich alles ändern lässt…

 

Meine Meinung:

Lou ist dreizehn Jahre alt, hat zwei Klassen übersprungen und ist hochbegabt. Sie analysiert den ganzen Tag, egal ob Worte, das Verhalten der Menschen oder eine Zahlenreihenfolge. In der Schule ist sie die Jüngste, hat keine Freunde und lebt in ihrer Welt, bis zu dem Tag, an dem man von ihr erwartet ein Referat zu halten. Für Lou ist dies wie eine Strafe, doch sie muss sich dieser Aufgabe stellen. Ihr Thema: Obdachlose Frauen in Paris. Darauf kommt sie durch ihre Begegnung mit der achtzehnjährigen No, die auf der Straße lebt. No, die keine Familie mehr hat, von der Hand in den Mund lebt und sich selbst bereits aufgegeben hat. Doch Lou erkennt in ihr eine Freundin, ein junges Mädchen, dass Hilfe braucht und ihre Unterstüzung auch verdient. Die Schülerin kann nicht akzeptieren, dass Nos Leben ohne jegliche Perspektive ist und sie versucht alles, um ihr zu helfen.
No und ich ist kein Buch, das man einfach zuklappt und wieder ins Regal stellt ohne eine weitere Sekunde an es zu verschwenden. Ganz im Gegenteil. Währen der Lektüre fing ich an mehr über das Thema Obdachlosigkeit nachzudenken und daran, dass unsere Gesellschaft diesen Zustand als beinahe selbstverständlich ansieht. Wie oft gehe ich an einem Obdachlosen vorbei, ohne darüber nachzudenken, dass er wahrlich dingend jemanden brauchen könnte, der sich für ihn einsetzt. Die Thematik ist sehr brisant und in der Geschichte rund um Lou und No sehr stimmig erzählt, ohne den bösen moralischen Zeigefinger zu erheben, sondern eher durch die Hintertür und Lous Gedankenwelt daran zu erinnern, dass man dieses Thema nicht totschweigen sollte.
Das Buch lebt vor allem durch die Ich-Erzählerin Lou, die die Welt mit ganz anderen Augen sieht als jeder Erwachsene. Sie scheint viele Missstände klarer zu sehen und sieht sich dazu verpflichtet alles dafür zu tun, damit es zumindest No besser ergeht. Dabei setzt sie auf Vertrauen, auch wenn sie manchmal daran zweifelt, ob ihre Freundin ihr bedingungsloses Vertrauen wirklich verdient. Jedoch halten sie ihre Zweifel nicht davon ab alles zu geben. Die Geschichte von Lou ist ebenfalls von tiefer Traurigkeit und dem Gefühl des „Nicht verstanden Werdens“ geprägt. Trotz oder gerade wegen ihres hohen Intellekts zweifelt sie oft an sich und ihren Fähigkeiten und traut sich kaum mit ihren Klassenkameraden in Kontakt zu treten. Im Laufe des Buches bemerkt man aber, wie erwachsen Lou in dieser kurzen Zeit wird und wie stark sie sich weiterentwickelt.
No selbst bleibt dahingegen eher undurchsichtig. Man kann nicht jeden ihrer Schritte, nicht all ihre Beweggründe verstehen, sondern nur spekulieren und erahnen. Manchmal möchte man sie einfach Schütteln und sie dadurch zur Vernunft bringen, ein anderes Mal möchte man sie einfach nur tröstend in den Arm nehmen.
Die sprachliche Gewandtheit von Delphine de Vigan hat mich zudem sehr beeindruckt. Sie schreibt sehr angenehm, gefühlvoll, aber auch distanziert und schafft es mit wenigen Sätzen eine Achterbahn der Gefühle auszulösen. In der einen Minute staunt man noch über Lous Analyse der Welt, um sie herum, nur um in der nächsten Minute von einer Traurigkeit gepackt zu werden.

Fazit:

No und ich ist es wunderbares Buch über eine Freundschaft zwischen zwei sehr ungleichen Mädchen. Eine Geschichte die zu Tränen rührt, zum Staunen bringt und einem noch Tage später in den Knochen sitzt.

Bewertung:

(5/5)

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[ Rezension ] Banana Yoshimoto: Tsugumi

Tsugumi

Titel der Originalausgabe: TUGUMI
Band innerhalb der Reihe: -
Genre: Romane und Erzählungen
Übersetzung: Annelie Ortmanns
Verlag: Diogenes (1997)
ISBN: 978-3-257-22973-8
Seiten: 188
Preis: [D] € 8,90

Klappentext:
Zwei Mädchen, die auf der Halbinsel Izu eine idyllische Kindheit verbracht haben, erneuern hier jeden Sommer ihre Freundschaft: die Ich-Erzählerin Maria und die wilde Tsugumi, deren Temperament nicht so recht zu ihrer fragilen Gesundheit passen will. Es ist der letzte Sommer einer engen Mädchenfreundschaft. Und auch die Inselidylle nimmt ein jähes Ende. Denn im Ort wird ein großes Hotel gebaut, das den Ruin der kleinen Gasthöfe bedeutet. Tsugumi lernt einen jungen Mann kennen, der im Ort heftig angefeindet wird. Er scheint der einzige zu sein, der das eigenwillige Mädchen zu erobern vermag. Aber die zarte Liebesgeschichte endet beinahe in einer Katastrophe.

Meine Meinung:
Maria lebt mit ihrer Mutter im Haus Yamamoto, einem Gasthaus an der Küste. Dieses gehört Marias Onkel und seiner Familie, die hier in einer besonderen Idylle leben. Marias Vater lebt in Tokyo, denn er ist noch verheiratet und kämpft um die Scheidung. Ihre Cousinen, Yoko und Tsugumi, sind in ihrem Alter und könnten unterschiedlicher nicht sein. Die ruhige, rechtschaffene Yoko ist die Älteste und die Besonnenste der drei Freundinnen, wohingegen Tsugumi ein wahrer Wirbelwind ist. Immer wieder denkt sie sich Gemeinheiten aus, um es ihren Mitmenschen augenscheinlich schwer zu machen. Hier erleben wir den letzten Sommer der Mädchen im Haus Yamamoto, dass im Herbst endgültig seine Pforten schließen wird. Die Mädchen lernen schließlich einen jungen Mann kennen, der sich in Tsugumi verliebt und der in ihr eine Veränderung auslöst, mit der niemand rechnete.

Banana Yoshimoto ist wohl die bekannteste und beliebteste japanische Autorin, die mit ihren Romanen, Erzählungen und Kurzgeschichten den Nerv der Japaner und der Europäer getroffen hat. In Tsugumi erzählt sie die wunderschöne und zugleich melancholische Geschichte einer Mädchenfreundschaft an der idyllischen japanischen Küste. Mit ihrer einfachen, aber sehr bildhaften Sprache erschafft sie Autorin ein klares Bild der Welt in der die Mädchen leben. Mit wenigen Sätzen beginnt sich ein Bild des kleinen Gasthauses, des Strandes und des Meers vor dem geistigen Auge zu formen, so dass man beinahe meint, das Salz in der Luft selbst schmecken zu können. Das Meer und die Küstenatmosphäre geben dem Buch genau den richtigen Ton, den die Geschichte braucht, um zu wirken und ich glaube in einer Großstadt oder in den Bergen würde sie so nicht funktionieren.
Die Ich-Erzählerin Maria führt uns in ihr Leben und das ihrer Cousine Tsugumi ein, in dem sie erst einmal einige Anekdoten aus der Vergangenheit erzählt. Man lernt einiges über Tsugumis Krankheit, ohne zu wissen, was sie wirklich hat und auch darüber wie es dazu kam, dass Maria hinter die harte und unmögliche Fassade ihrer Cousine blickt und sie schließlich Freundinnen werden. Auch erzählt sie uns von ihrem Leben, den Sorgen ihrer Mutter, da sie nur die Geliebte ihres Vaters ist und der immer wiederkehrenden Frage: „Was geht wirklich in Tsugumi vor?“ Diese Frage bleibt in meinen Augen bis zum Ende unbeantwortet, denn immer wenn Maria glaubt zu erkennen, was mit ihr los ist, erweist sich doch alles als weitere Lüge, die auch den Leser unerwartet trifft. Trotzdem ist die Freundschaft der Mädchen wahrhaftig und schön, denn Maria weiß, dass Tsugumi kein Mitleid und kein Bemuttern möchte, sondern ein freies Leben, so wie ihr es gefällt.
Die Protagonistin die Banana Yoshimoto beschreibt ist auf den ersten Blick also wirklich nicht sonderlich sympathisch. Tsugumi lügt, betrügt, beleidigt Menschen und schafft es mit ihrer Wut alle in Angst und Schrecken zu versetzen. Ihre starke und unnahbare Fassade weicht immer wieder auf, nur um dann wieder zu erhärten und den Blick in ihr Innerstes zu verwehren. Tsugumi ist ein ungewöhnliches Mädchen, das kein Blatt vor den Mund nimmt und das sich nicht in ihrer Krankheit ergibt. Doch man spürt, dass in ihr auch eine verletzliche junge Frau steckt, die für sich und für die, die sie liebt kämpft wie eine Löwin.

Fazit:
Tsugumi begeistert durch seine maritime, melancholische und auch herzerfrischende Atmosphäre. Wie immer schafft es die Autorin Banana Yoshimoto mich als Leser zum Nachdenken zu bringen und zu erkennen, dass man das Leben in jeder Situation leben sollte und manchmal einfach nur an sich denken sollte.

Bewertung:
(5/5)

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[ Rezension ] William Goldman: Die Brautprinzessin

Klappentext:
Die Brautprinzessin erzählt die Geschichte der wunderschönen Butterblume und des Stalljungen Westley, der unsterblich in sie verliebt ist. Die Erzählung von der Bedrohung ihrer Liebe durch Prinz Humperdinck, seine Ritter und Spione ist aber nur eine Geschichte in einer Geschichte.
William Goldman hat ein atemberaubendes Spiel von Kürzungen und raunenden Kommentaren zu einem modernen Märchen verwoben.

Meine Meinung:
William Goldman, seines Zeichens Drehbuchautor und Schriftsteller, ist durch das Buch Die Brautprinzessin zu einem begeisterten Leser geworden. Als er in seiner Kindheit mit einer Lungenentzündung danieder lag, las sein Vater ihm dieses Buch vor. Mittlerweile ist er erwachsen, verheiratet und hat selbst einen Sohn, dem er mit Mühe und Not eine Ausgabe dieses Buches besorgen kann. Doch sein Sohn zeigt sich wenig begeistert, so dass Goldman das Buch selbst wieder zur Hand nimmt und feststellt, dass er nur einen Bruchteil des Romans kennt, nämlich nur die spannenden und herzzerreißenden Teile.
William Goldman beschließt eine gekürzte Fassung des Romans auf den Markt zu bringen, um die breite Masse von der Geschichte rund um die schöne Butterblume und ihren geliebten Westley zu überzeugen.

Den Inhalt von Die Brautprinzessin ist sehr schwer. Zum einen, weil man von der eigentlichen Handlung nichts verraten will und zum anderen weil das Buch eine besondere Vielschichtigkeit aufweist, die ich so bisher noch nicht kennen gelernt habe.
Erwartet habe ich ehrlich gesagt etwas vollkommen anderes. Vor der Lektüre habe ich mich nicht eingehender mit dem Buch befasst, sondern erst beim Aufschlagen der ersten Seite gemerkt, dass dies eine ganz neue Erfahrung für mich sein würde.
William Goldman beginnt mit einer Art autobiographischen Teil. Er erzählt dem Leser die Geschichte, wie er zum ersten Mal mit dem Märchen von S. Morgenstern in Berührung kam und wie er dann letztendlich dazu kommt eine gekürzte Ausgabe zu verfassen. Dieser einleitende Teil und der Teil am Schluss, in dem der Autor die Geschichte bis zum Fragment von Butterblumes Baby weiterspinnt, sind teilweise doch eher langatmig, auch wenn mich die Idee dahinter äußerst beeindruckt hat.
Wesentlich gelungener sind da Goldmans Randbemerkungen währen der eigentlichen Geschichte Die Brautprinzessin. Hier führt er seine Feder spitz und lässt kein gutes Haar an den angeblich zu ausschweifenden und furchtbar langweiligen Ergüssen von Morgenstern.
Die Geschichte rund um Butterblume, Prinz Humperdinck und Westley ist wunderbar erzählt. Auf der einen Seite ist sie wunderschön, mitreißend, fantastisch und grausam zugleich. Der Leser liebt und lebt mit den Figuren und ist vollends von der Geschichte fasziniert. Auf der anderen Seite sind die Charaktere mit immer mit einem kleinen satirischen, ja beinahe auch bösen Strich gezeichnet.

Man kann Die Brautprinzessin einfach nicht beschreiben. Es ist ein wundervolles Buch, das sich in keine Schublade stecken lässt. Ein Märchen über die wahre Liebe, über das Leben, den Tod und die grausamen Seiten der menschlichen Seele.
Fazit:
Die Brautprinzessin ist einfach einzigartig. Ein Buch, dass man einfach lieben muss, denn die Geschichte ist bittersüß und wundervoll. William Goldman liebt seine Figuren abgöttisch, ist in dieser Liebe aber nicht blind, sondern gestaltet sowohl die Sonnen- als auch die Schattenseiten wunderbar aus, so dass die Figuren dem Leser immer besonders im Herzen bleiben werden.
Die teilweise langatmigen Stellen in denen Goldman seine Beweggründe für die Herausgabe des Buches beschreibt nehmen mir nicht ein Fünkchen meiner Begeisterung für dieses Buch.

Bewertung:
(5/5)

Details:

Titel der Originalausgabe: The Princess Bride
Band innerhalb der Reihe: -
Genre: Roman, Märchen
Übersetzung: Wolfgang Krege
Verlag: Klett Cotta  (2008)
ISBN: 978-3-608-93871-5
Seiten: 426
Preis: [D] € 22,90

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[ Rezension ] Janne Teller: Nichts. Was im Leben wichtig ist

Klappentext:

„Ist das dort draußen im Sägewerk etwa nicht die Bedeutung?“ Sofie starrte Frederik so lange in die Augen, bis er den Blick senkte und nickte. „Wenn wir die Bedeutung aufgeben, ist nichts übrig!“ Nichts! Gar nichts! Niente!
„Sind wir uns einig?“ Sie sah uns einen nach dem anderen an, schien mehr denn je zu brennen. „Ist die Bedeutung nicht wichtiger als alles andere?“
„Natürlich“, sagte Ole.
Wir anderen nickten und murmelten unsere Zustimmung.
/…/
Wir hätten aufhören sollen, bevor es so weit gekommen war. Jetzt war es irgendwie zu spät, auch wenn ich tat, was ich konnte.“

Meine Meinung:

Für die Klasse 7A einer Kleinstadtschule beginnt der erste Schultag nach den Sommerferien. Alles geht seinen gewohnten Gang, bis plötzlich einer der Schüler, Pierre Anthon, aufsteht und nach folgenden Worten seine Sachen zusammen packt und den Raum verlässt.
„Nichts bedeutet irgendetwas. Das weiß ich schon lange. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“
Die Schüler sind schockiert und vor den Kopf gestoßen. Wie kann Pierre Anthon nur solch eine Behauptung aufstellen? Wie kann er nur sagen, dass nichts eine Bedeutung hat? Die Schüler können es nicht fassen und Pierre Anthon provoziert sie immer mehr. Er sitzt auf dem Pflaumenbaum vor seinem Haus, an dem der Schulweg seiner Klassenkameraden vorbei führt und treibt seine Behauptungen immer weiter auf die Spitze. Schließlich beschließen die Schüler der 7A, dass Sie ihm beweisen müssen, dass er falsch liegt und beginnen jeder etwas abzugeben, was für ihn von großer Bedeutung ist. Ein paar Boxhandschuhe, ein nagelneues Rennrad, ein Gebetesteppich und nagelneue giftgrüne Sandalen landen auf dem Berg der Bedeutung. Doch mit der Zeit werden die Forderungen der Kinder immer ungeheuerlicher und ihr Plan droht zu eskalieren…

In der letzten Sendung Die Vorleser im ZDF, wurde dieses Buch vorgestellt und leider auch das Ende verraten. Nichtsdestotrotz war mir klar, dass ich es lesen würde. Nun sitze ich hier und versuche die vielen Gedanken, die mir während des Lesens und auch danach gekommen sind aufs Papier zu bringen. Diese Rezension wird dem grandiosen Buch von Janne Teller sicherlich nicht gerecht, aber wenn dadurch nur ein Mensch mehr auf dieses Buch blickt und es liest, bin ich schon zufrieden.

Nichts. Was im Leben wichtig ist ist eine Parabel über den Sinn und die Bedeutung des Lebens. Schon im Titel erkennt man eine Doppeldeutigkeit, die mich schon vor der Lektüre beschäftigt hat.
Erzählt wird die Handlung von einer der Schülerinnen der 7A, Agnes, die sowohl beobachtet, als auch reflektiert und uns an ihren Gedanken und Ängsten teilhaben lässt. Agnes ist das Bindeglied des Lesers zur Geschichte und durch sie wird die emotionale Wirkung des Buches verstärkt. Bei einem auktorialen Erzähler wäre die Distanz zur Handlung wesentlich größer gewesen und würde auch nicht so schockieren.
Die meisten wissen vermutlich, dass diese Parabel an dänischen Schulen sehr lange verboten war und in Teilen Westnorwegens heute noch ist. Ich vermute, dass die Eltern dort nicht glauben, dass ihre Kinder reif genug sind die Bildhaftigkeit der Handlung zu verstehen und nicht alles als bare Münze zu nehmen. Wahrscheinlich schwingt dort auch eine ähnliche Angst mit, wie wenn das eigene Kind tagein, tagaus nur Ballerspiele spielt. Ich hingegen bin sehr wohl der Meinung, dass man dieses Buch Jugendlichen als Schullektüre zumuten kann. Mit der richtigen Begeleitung durch den Lehrer werden Teenager diese Lektüre nämlich besser begreifen als wir Erwachsenen, denn diese Sinnkrisen sind in der Pubertät meistens doch stärker als im Erwachsenenalter.
Janne Teller
erschafft in ihrem Werk einen Spiegel unserer Gesellschaft im Mikrokosmos dieser Kleinstadt und im Kreise dieser einen Klasse. Pierre Anthon stellt hier eine Art inneren Dämonen dar. Der Dämon der uns alle immer wieder mit dem Sinn des Lebens hadern lässt. Der Junge auf dem Pflaumenbaum ist derjenige, der den Finger in die Wunde legt und auch nicht bereit ist ihn herauszunehmen. Und genau aus diesem Grund verzweifeln die Schüler so sehr, denn sie spüren bei jeder Behauptung von Pierre diesen Schmerz und diese Angst, dass er recht haben könnte. Der Sinn des Lebens ist in unserer Gesellschaft und auch im Buch ein Tabuthema. Eine handvoll Philosophen erörtert dieses Thema, doch nur ein geringer Teil von uns ist auch bereit sich damit zu beschäftigen. Ist es nicht auch so, dass wir Angst haben, dass die Antwort auf  die Frage nach dem Sinn des Lebens ist, dass es keinen Sinn gibt?
Wie um dies zu unterstützen bekommen die Eltern und Lehrer der Kinder von all diesen Vorgängen zunächst nichts mit. Ich finde dies steht wunderbar für die Scheuklappen die viele heutzutage auf haben. Es gibt unheimlich viele Menschen, die vor allem ihren Kindern gegenüber blind zu sein scheinen und nur das gute in allem sehen wollen. Unangenehmes wird totgeschwiegen und kommt erst zur Sprache wenn es bereits zu spät ist.
Die Parabel strotzt nur so vor Bildern, Parallelen und Vergleichen, die man vermutlich bei der ersten Lektüre gar nicht alle erkennt. Liest man dieses Buch jedoch in einer persönlichen Sinnkrise, wird es sicherlich eine deprimierende Wirkung auf den Leser haben, macht er sich nicht deutlich, dass es sich eben um eine Parabel handelt
.Zu guter letzt möchte ich noch sagen, dass mir persönlich die Sprache der Autorin sehr gut gefallen hat. Der Stil der Parabel findet sich in vielen kleinen Sätzen wieder und begeistert bei genauerem Lesen sehr.

Fazit:

Lesen! Lesen! Lesen! Es wird euch fesseln, es wird euch schockieren und es wird euch zum Nachdenken anregen!
Ich werde es sicher noch oft in meinem Leben lesen, denn das Buch erinnert uns an das was im Leben wichtig ist. Zu empfehlen für Erwachsene und Kinder, die bei der Lektüre begleitet werden.

Bewertung:

(5/5)

Details:

Titel der Originalausgabe: Intet
Band innerhalb der Reihe: -
Genre: Jugendbuch
Übersetzung: Sigrid C. Engeler
Verlag: Carl Hanser Verlag (2010)
ISBN: 978-3-446-23596-0
Seiten: 139
Preis: [D] € 12,90

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[ Rezension ] Banana Yoshimoto: Hard-boiled//Hard Luck

Klappentext:
“Hard-boiled” meint: sich in der Auseinandersetzung mit dem Tod, der Trauer, ein dickes Fell zulegen. Und “Hard Luck”: Wer kann behaupten zu wissen, was Unglück ist und was Glück – wohl nur der Betroffene selbst.
Zwei Erzählungen über die Schuld, aber auch die Unvermeidlichkeit des Verlassens. Und die Kunst des Loslassens.

Meine Meinung:
In Banana Yoshimotos Buch Hard-boiled//Hard Luck sind die beiden gleichnamigen Erzählungen enthalten. Aufgrund der Kürze und der intensiven Art der Erzählung wird diese Rezension ein wenig anders ausfallen als sonst, denn ich werde nur ein paar Gedanken aufschreiben, die ich beim Lesen des Buches hatte.
Die beiden Erzählungen befassen sich mit dem Tod und der Trauer. In der ersten Erzählung begibt sich eine junge Frau auf eine Wanderung und beginnt sich an ihre verstorbene  Freundin zu erinnern. Die Ich-Erzählerin wird von Träumen verfolgt, die ihr große Schuldgefühle bereiten und die ihr ein gewisses Unbehagen bereiten. Andererseits hat man ständig das Gefühl, dass ihr die Lebenden noch viel mehr zu schaffen machen, als die Toten. In einem einsamen Hotel begegnet sie schlussendlich einer fremden Frau, die in ihr Zimmer eindringt und in ihr die Erinnerung an ihr Leben und ihre Lieben hervorruft und sie über ihr früheres Leben nachdenken lässt.
Die zweite Erzählung handelt von einer jungen Frau, deren Schwester im Koma liegt und deren Hirntod kurz bevor steht. Auch sie beginnt sich an die schönen Zeiten der Vergangenheit zu erinnern. Trotz der Trauer die allgegenwärtig ist birgt die Erzählung Hard Luck auch einen gewissen Optimismus, denn sie zeigt, dass das Leben, obwohl man einen Verlust erlitten hat, noch nicht vorbei ist.
Da dies mein erstes Buch der Autorin war, wusste ich nicht was mich erwarten würde. Ich bin an sich kein großer Freund der Erzählung, doch ich wollte mich einmal auf etwas Neues einlassen und wurde nicht enttäuscht.
Banana Yoshimoto erzählt beide Geschichten aus der Ich-Perspektive und schafft somit einen direkten Bezug zum Leser. Schon nach wenigen Zeilen fühlt man vollkommen mit den Protagonisten mit und die Emotionen scheinen förmlich greifbar. Sprachlich schreibt die Autorin auf einem äußerst hohen Niveau. Jede Zeile erscheint poetisch und birgt sehr viel Tiefe, so dass ich nicht umhin kam einige Zeilen mehrmals zu lesen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Botschaft der Erzählungen von jedem Menschen anders aufgefasst wird. Ich glaube sogar, dass der Leser je nach der eigenen Situation einen anderen Blickwinkel auf das Erzählte entwickelt und man dieses Buch im Laufe seines Lebens mehrmals lesen sollte.

Fazit:
Banana Yoshimotos Erzählungen Hard-boiled und Hard Luck werden mich sicher noch eine Weile begleiten. Es sind Geschichten, die man nicht einfach liest und dann keinen Gedanken mehr daran verschwendet, sondern sie regen den Leser an sein eigenes Leben und den Umgang mit Tod und Trauer zu reflektieren und geben einem neuen Mut. Sicherlich nicht mein letztes Buch der japanischen Autorin.

Bewertung:
(4.5/5)

Details:

Titel der Originalausgabe: Rokkingu-on (Rockin-on)
Band innerhalb der Reihe: -
Genre: Erzählung
Übersetzung: Annelie Ortmanns
Verlag: Diogenes (2004)
ISBN: 3-257-23482-1
Seiten: 140
Preis: [D] € 7,90

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