| Titel der Originalausgabe: No et Moi |
| Band innerhalb der Reihe: - |
| Genre: Romane |
| Übersetzung: Doris Heinemann |
| Verlag: Knaur (2010) |
| ISBN: 978-3-426-50158-0 |
| Seiten: 250 |
| Preis: [D] € 8,95 |
Klappentext:
Die Dinge sind, wie sie sind.
Wenn wir irgendwann nur noch diese Antwort parat haben – sind wir dann erwachsen? Lou ist hochbegabt und eine Einzelgängerin. Am liebsten beobachtet sie die Menschen und stellt dabei gewagte Theorien auf, um das zu verstehen, was tagtäglich mit und geschieht. Bis sie auf die achtzehnjährige No trifft, die in Paris auf der Straße lebt. No mit den dreckigen Klamotten und dem müden Gesicht. No, deren Einsamkeit die Welt in Frage stellt. Und Lou stürzt sich in ihr neues Projekt: Sie will No retten – und sich und der Welt beweisen, dass sich alles ändern lässt…
Meine Meinung:
Lou ist dreizehn Jahre alt, hat zwei Klassen übersprungen und ist hochbegabt. Sie analysiert den ganzen Tag, egal ob Worte, das Verhalten der Menschen oder eine Zahlenreihenfolge. In der Schule ist sie die Jüngste, hat keine Freunde und lebt in ihrer Welt, bis zu dem Tag, an dem man von ihr erwartet ein Referat zu halten. Für Lou ist dies wie eine Strafe, doch sie muss sich dieser Aufgabe stellen. Ihr Thema: Obdachlose Frauen in Paris. Darauf kommt sie durch ihre Begegnung mit der achtzehnjährigen No, die auf der Straße lebt. No, die keine Familie mehr hat, von der Hand in den Mund lebt und sich selbst bereits aufgegeben hat. Doch Lou erkennt in ihr eine Freundin, ein junges Mädchen, dass Hilfe braucht und ihre Unterstüzung auch verdient. Die Schülerin kann nicht akzeptieren, dass Nos Leben ohne jegliche Perspektive ist und sie versucht alles, um ihr zu helfen.
No und ich ist kein Buch, das man einfach zuklappt und wieder ins Regal stellt ohne eine weitere Sekunde an es zu verschwenden. Ganz im Gegenteil. Währen der Lektüre fing ich an mehr über das Thema Obdachlosigkeit nachzudenken und daran, dass unsere Gesellschaft diesen Zustand als beinahe selbstverständlich ansieht. Wie oft gehe ich an einem Obdachlosen vorbei, ohne darüber nachzudenken, dass er wahrlich dingend jemanden brauchen könnte, der sich für ihn einsetzt. Die Thematik ist sehr brisant und in der Geschichte rund um Lou und No sehr stimmig erzählt, ohne den bösen moralischen Zeigefinger zu erheben, sondern eher durch die Hintertür und Lous Gedankenwelt daran zu erinnern, dass man dieses Thema nicht totschweigen sollte.
Das Buch lebt vor allem durch die Ich-Erzählerin Lou, die die Welt mit ganz anderen Augen sieht als jeder Erwachsene. Sie scheint viele Missstände klarer zu sehen und sieht sich dazu verpflichtet alles dafür zu tun, damit es zumindest No besser ergeht. Dabei setzt sie auf Vertrauen, auch wenn sie manchmal daran zweifelt, ob ihre Freundin ihr bedingungsloses Vertrauen wirklich verdient. Jedoch halten sie ihre Zweifel nicht davon ab alles zu geben. Die Geschichte von Lou ist ebenfalls von tiefer Traurigkeit und dem Gefühl des „Nicht verstanden Werdens“ geprägt. Trotz oder gerade wegen ihres hohen Intellekts zweifelt sie oft an sich und ihren Fähigkeiten und traut sich kaum mit ihren Klassenkameraden in Kontakt zu treten. Im Laufe des Buches bemerkt man aber, wie erwachsen Lou in dieser kurzen Zeit wird und wie stark sie sich weiterentwickelt.
No selbst bleibt dahingegen eher undurchsichtig. Man kann nicht jeden ihrer Schritte, nicht all ihre Beweggründe verstehen, sondern nur spekulieren und erahnen. Manchmal möchte man sie einfach Schütteln und sie dadurch zur Vernunft bringen, ein anderes Mal möchte man sie einfach nur tröstend in den Arm nehmen.
Die sprachliche Gewandtheit von Delphine de Vigan hat mich zudem sehr beeindruckt. Sie schreibt sehr angenehm, gefühlvoll, aber auch distanziert und schafft es mit wenigen Sätzen eine Achterbahn der Gefühle auszulösen. In der einen Minute staunt man noch über Lous Analyse der Welt, um sie herum, nur um in der nächsten Minute von einer Traurigkeit gepackt zu werden.
Fazit:
No und ich ist es wunderbares Buch über eine Freundschaft zwischen zwei sehr ungleichen Mädchen. Eine Geschichte die zu Tränen rührt, zum Staunen bringt und einem noch Tage später in den Knochen sitzt.
Bewertung:




(5/5)
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(4.5/5)

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